Die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens Ursula Raue

Der Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens, Ursula Raue, werden vielfältige Fehleinschätzungen und Falschverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen und Verantwortlichen am Aloisiuskolleg vorgeworfen.

In Vorbereitung auf weitere Offenlegungen zu der Tätigkeit dieser Dame wollen wir schon jetzt erstes Material verlinken.

Über Frau Ursula Raue berichtete 20. Januar 2011 der Tagesspiegel in dem Artikel “Unheilige Nähe der Missbrauchsbeauftragten”. Dieser ist nach juristischen Schritten von Frau Raue aus dem Online-Angebot des Tagesspiegels entfernt worden und eine Richtigstellung abgegeben worden. Der fragliche Artikel lässt sich von der Seite des Eckigen-Tisches abrufen:

http://www.eckiger-tisch.de/wp-content/uploads/2012/01/2011-01-20_TSP_ONLINE_Ursula-Raue-Unheilige-N%C3%A4he-der-Missbrauchsbeauftragten.pdf

Mit der Richtigstellung hat Frau Raue ihre Ansprüche gegen den Tagesspiegel noch nicht als befriedigt angesehen und vor dem Landgericht Berlin auf Schadensersatz geklagt. Über die Verhandlung ist ein Bericht erstellt worden, welcher unter der folgenden Adresse angesehen werden kann:

http://buskeismus-lexikon.de/27_O_366/11_-_11.10.2011_-_Missbrauchsbeauftragte_des_Jesuitenordens_verlangt_Geldentschaedigung_vom_Tagesspiegel

Nach der Abweisung ihrer Klage hat Frau Raue versucht vor dem Kammergericht Berlin (vergleichbar OLG) Ansprüche gegen den Tagesspiegel geltend zu machen, womit sie wiederrum gescheitert ist.

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2 Responses to Die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens Ursula Raue

  1. Otto Schmitz says:

    Bei Betroffenen, die sich an Frau Ursula Raue gewandt haben, bricht Frau Raue ohne Not zugesicherte Vertraulichkeit und behauptet die Unwahrheit was ihr eigenes Verhalten angeht. Da kann es nicht verwundern, dass sie grosse Sorge hat, überführt zu werden.
    Der Vorgang wird in den kommenden Wochen noch umfangreicher offengelegt werden.

  2. Armin Müller says:

    Die folgende Email von Frau Raue habe ich erhalten. Zur Weiterleitung hat diese ihr ausdrückliches Einverständnis gegeben. Da ich im Gegensatz zu Frau Raue den Persönlichkeitsrechten Unbeteiligter und Betroffener hohen Wert zumesse, musste ich die Email entsprechend kürzen.

    *Betreff:* Fw: AW: Fragen aus Bonn
    Sehr geehrte […],
    Ich versuche, Ihre Fragen zu beantworten. […]

    zu 4: Selbstverständlich habe ich weder den Träger des Pseudonyms “Ignatius”
    noch dessen Anwalt vorab informiert. Gemeinsame Gespräche mit der
    Kollegsleitung, dem mutmaßlichen Täter und mir gab es nicht.

    zu 4 (2): Mein erstes Gespräch mit P. Schneider fand im April 2007 in Bad
    Godesberg statt. Da ging es um P. Stüper. Dann gab es Telefongespräche im Januar
    und Februar 2010. Anfang Februar 2010 habe ich der Ordensleitung vorgeschlagen,
    P. Schneider als Schulleiter zu suspendieren. Das ist so geschehen.
    Später – am
    14. Mai 2010 – habe ich mit P. Schneider ein längeres Gespäch geführt. Da ging
    es um seinen Werdegang als Jesuit und Pädagoge. Eine Beratung war das nicht. P.
    Schneider hat nach meiner Erinnerung sehr früh eine Anwaltskanzlei mit der
    Wahrnehmung seiner Interessen betraut.

    zu 5: von einem anderen Missbrauchsopfer weiß ich nichts, deswegen kann ich zu
    der Äußerung nichts sagen. Am Ako wurden bereits sehr früh Anwälte
    eingeschaltet, die nach meiner Wahrnehmung nicht im Sinne von Mediation, sondern
    konfrontativ miteinander umgegangen sind. Es kann durchaus sein, dass dieses
    Vorgehen einen zugewandten und um Aufklärung bemühten Umgang miteinander
    verhindert hat. Das ist eine Vermutung von mir.

    zu 6: Ich war dort nie Schülerin. Meine wenigen Besuchen dort waren nicht
    geeignet, das tägliche Atmosphäre hinreichend beurteilen zu können.

    zu 7: Die mir zugetragenen Fälle habe ich zunächst notiert und den einzelnen
    Einrichtungen und genannten Tätern zugeordnet. Berichte gingen nicht nur bei mir
    ein, sondern auch in den Schulen und im Provinzialat. Sofern die meldenden
    Personen damit einverstanden waren, wurden alle Daten bei mir erfasst. Darüber
    wurde weder mit den Einrichtungen noch mit dem Provinzialatüber irgendetwas
    “verhandelt”. Ich habe mich dann um die Missbrauchsopfer gekümmert, soweit die
    Informationen das zuließen. Allerdings stand ich in den ersten Monaten nach den
    Berichten im Januar 2010 unter sehr großem Zeitdruck. Das Telefon klingelte
    nahezu ununterbrochen von morgens früh bis in die Nacht.
    Mein Auftrag lautet, Verdachtsmomenten und Hinweisen auf möglichen sexuellen
    Missbrauch nachzugehen und aufzuklären. Der oder die Täter werden bei
    hinreichendem Verdacht bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt und von dem
    oder den Opfern ferngehalten. Die Ordensleitung wird darüber informiert.

    zu 8: Nach meiner Erinnerung habe ich mit Herrn Eschweiler nie gesprochen. Mit
    Herrn Haep gab es einzelne Gespräche, aber keine grundsätzliche Diskussion. Da
    die Situation am Ako bereits sehr früh von jeweils gegnerischen Anwälten
    bestimmt wurde, kann ich die emotionale Situation von Herrn Haep nicht beurteilen.

    zu 9: Ich war im April 2007 dort. Es ging um die Fotos von P. Stüper. In der
    Folgezeit erreichten mich wenige Informationen. Das wahre Ausmaß , insbesondere
    die systematische sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen dort im Ako,
    habe ich damals nicht erkannt. Dazu hatte ich zu wenig Informationen.

    zu 8 (2): Von alten Verbrechen am Ako habe ich erst erfahren, als ich nach den
    Presseberichten Ende Januar 2010 Berichte von Betroffenen bekommen habe. Wenn
    Sie damit auch den inzwischen verstorbenen P. Stüper meinen, dann habe ich von
    dem wahren Umfang seiner pädophilen Taten erst im Frühjahr 2010 erfahren.

    Ja, die Aufgabe der Missbrauchsbeauftragten war zum Zeitpunkt meiner Bestellung
    2007 eine “one-woman-show”. Allerdings sieht es im Nachhinein so aus, dass ich
    zum dem Zeitpunkt wohl im Bereich der katholischen Kirche die einzige
    Missbrauchsbeauftragte war, die nicht in die Hierachie der Organisation
    eingebunden war. Das nur nebenbei. Als die ersten Fälle von sexuellem Missbrauch
    im Januar 2010 öffentlich wurden, war das die Spitze des Eisbergs. Und ich habe
    große Zweifel, ob wir das wahre Ausmaß je werden aufdecken können.
    […]
    Meine Antworten gäbe ich – auch mit Ihren Fragen an mich – gerne an P. Zoll
    weiter, der sich um Vermittlung bemüht. Dazu benötige ich allerdings Ihre
    schriftliche Zustimmung. Sie sind aus meiner Sicht selbstverständlich frei,
    meine Antworten anderen zukommen zu lassen.
    Bitte lassen Sie mich wissen, ob ich zur Aufklärung beitragen konnte oder welche
    Fragen für Sie offen geblieben sind.

    Mit freundlichem Gruß – Ursula Raue
    Ursula Raue
    Rechtsanwältin und Mediatorin
    Mommsenstraße 11
    10629 Berlin
    Tel 030 – 32 76 67 10
    Fax 030 – 32 76 67 15

    *Gesendet:* Donnerstag, 31. Januar 2013 17:26
    *An:* uraue@gmx.de
    *Betreff:* Fragen aus Bonn

    Sehr geehrte Frau Raue,

    ich komme auf Ihr Gesprächsangebot zurück.
    […]
    4) Sie hatten mir erzählt, dass die Anwälte des mutmaßlichen Täters noch in der
    Nacht vor der Veröffentlichung Ihres ersten Berichts massiv versucht haben, die
    Passagen des “Ignatius” zu verhindern. Hatten Sie den träger des Pseudonyms mit
    dem Opferbericht konfrontiert? Kann es sein, dass die Interpretation und
    Einschätzung des Opfers, wie sie sich in Rabes Erinnerung festgesetzt hatte, von
    dem Täter selbst stammte? Gab es gemeinsame Gespräche mit Ihnen, dem betroffenen
    mutmaßlichen Täter und der Kollegsleitung? Wie hat die Kollegsleitung versucht,
    die Wahrheit über die Mitarbeiter des Kollegs herauszufinden?
    4) Haben Sie als Missbrauchsbeauftragte des Ordens Pater Schneider beraten?
    Wann? Haben Sie mit ihm über seine Empörung gesprochen oder ihn
    unterstützt/beraten, als er sich wegen des Vorwurfs der Mitwisserschaft gekränkt
    fühlte? Wann haben Sie von diesem Verfahren (Unterlassungsanzeigen gegen
    Missbrauchsopfer) Kenntnis bekommen? Haben Sie daraufhin beratend Schneider oder
    einem der Missbrauchsopfer zur Seite gestanden.
    […]
    Ist Ihnen am Ako solche Realitätsferne begegnet? Haben Sie erst das Wissen um
    sexuellen Missbrauch in die Schule gebracht oder haben Sie ein informiertes Feld
    vorgefunden? Waren Sie mit diesem Fall auch befasst? Wer hat mit Ihnen darüber
    gesprochen? Das Opfer, die Kollegsleitung? Oder schien das gar nicht so
    relevant? Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man liest, wie schnell Stimmen
    von Eltern mobilisiert worden waren, die sich vernichtend über dieses
    Missbrauchsopfer ausgelassen hatten. (Dokumente dazu auf dem Blog:
    jesuiten.wordpress.com

    6) Herr Mertes beschreibt die Atmosphäre am Ako während seiner Schulzeit als
    kalt. Wie haben Sie die Schule vorgefunden?
    Mit wem haben Sie derart Atmosphärisches thematisiert? Welche Empfehlungen haben
    Sie der Kollegsleitung gegeben?

    7) Haben Sie Ihre Funde/Befunde und die Fälle, die sich an Sie gewandt hatten,
    nur mit der Kollegsleitung verhandelt oder standen Sie darüber in direktem
    Austausch mit dem Provinzial? Wie hatten Sie Ihre Arbeit aufgefasst? Waren Sie
    als Ansprechpartner für Missbrauchsbetroffene erst einmal ein externer Puffer,
    der die Wucht der Vorwürfe auffangen sollte? Oder hatten Sie den Auftrag, wie
    ein Seismograph mögliche Gefahren oder Täter frühzeitig zu erkennen oder
    unschädlich zu machen? War das Ihre Aufgabe oder sollten Sie der Ordensleitung
    Hinweise geben?
    8) Hatten Sie Gelegenheit, mit Herren Eschweiler und Haep über die Situation am
    Ako zu sprechen? Haben Sie Betroffenheit über die Vorgänge erlebt und das Ausmaß
    der Zerstörung in den Opfern? Oder galt die Sorge – wie Frau Zinsmeister
    beschrieb – eher dem guten Ruf der Einrichtung?

    9) Wann ist Ihnen in Ihrer Funktion als Missbrauchsbeauftragte, die schon lange
    vor den Ereignissen 2010 im Amt war, das Aloisiuskolleg zum ersten Mal
    “aufgefallen”?

    In diesem Augenblick schien das Aufgefallene eher die Größenordnung einer
    Nachlässigkeit zu haben oder sahen Sie damals schon die systematische
    Verstrickung oder vermuteten den pädophilen Himmel auf dem Berg? Mit wem haben
    Sie sich über diese Beobachtungen damals beraten?

    8) Fühlten Sie sich in Ihrer Aufgabe eher in der Verantwortung, für das
    schwelende alte Leid, das durch Verstorbene verursacht worden war,
    Ansprechpartner zu sein? Oder ging es in höherer Priorität darum, akute Gefahren
    aufzuspüren oder aufzuzeigen?

    Ich frage mich, ob der Job der Missbrauchsbeauftragten eine one -man-show
    war/ist? Kaum zu glauben, wenn ich mir die Anzahl der Fälle bundesweit vor Augen
    halte. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs.

    Sehr geehrte Frau Raue, Antworten auf diese Fragen würden mir helfen, das
    Geschehen zu verstehen. Und Verstehen ist für mich Voraussetzung dafür, dass ich
    dieses unselige Geschehen endlich begreifen und hoffentlich irgendwann auch
    einmal lassen kann.
    […]
    Martin Buber sagte so treffend: “Pädagogisch fruchtbar ist nicht die
    pädagogische Absicht, sondern die pädagogische Begegnung.” Meine Begegnungen mit
    Jesuiten waren durch Ausreden und Ausweichen geprägt. Vielleicht haben sie das
    auch erlebt?
    Ich hoffe, dass Sie insofern von Ihren Auftraggebern abweichen und es möglich
    ist, mit Ihren Erfahrungen und Beobachtungen in der Aufarbeitung tatsächlich
    weiter zu kommen
    Mit freundlichen Grüßen aus Bonn

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