In memoriam Pater Ludger Stüper SJ

In memoriam
Pater Ludger Stüper SJ
(1928 – 2010)
Dankbare Erinnerungen an eine schicksalhafte
Freundschaft
von
Christian Eschweiler
Er war 34 Jahre und Exerzitienmeister in St. Georgen.
ich war 30 Jahre und begleitete — unterstützt von ei-
nem einzigen Novizen – die etwa 70 Sekundaner eines
Jahrgangs in diese damals übliche Besinnungswoche.
Die uneingeschränkte Begeisterung aller Schüler nach
seinen geistlichen Übungen machte auch mich neugie-
rig‚ und so verbrachten wir die Abende nach getaner
Arbeit lange miteinander, um zuletzt eine verblüffen-
de geistig-seelische Übereinstimmung unserer An-
schauungen und Ziele festzustellen. Beim
schließlichen Abschied meinte er: “Ihnen möchte ich
gerne noch einmal in zehn Jahren begegnen, um zu
erfahren, 0b sich Idealismus so lange erhalten lässt.”
Seither konnten wir einander wohl nicht mehr verges-
sen. Bei seinen sporadischen Besuchen in Godesberg
kreuzten sich unsere Wege nur kurz, aber wir tausch-
ten immer kleine Artigkeiten aus. Hatte ich ihm und
seinem Gast in einem Cafe unauffällig Kaffee und
Kuchen bezahlt, ließ er mir von der Schulsekretärin
eine Schachtel mit sechs Fläschchen Spirituosen in
den Unterricht bringen- Vor allem aber wurde ich
nicht müde, gegenüber dem damaligen Provinzial, Pa-
ter Ostermann, immer wieder den Wunsch zu äußern,
mit einem derartigen Jesuiten gerne zusammenzuar-
beiten. Er hatte mit seiner Aufforderung, mich nicht
als Angestellter, sondern als Partner der Societas zu
verstehen, zur Mitverantwortung ermutigt, weil auch
er die dringende Notwendigkeit erkannt hatte, dass am
Aloisiuskolleg unbedingt etwas verändert werden
müsse.
Die Traditionsschule zehrte zwar noch von ihrem gu-
ten Ruf, aber der in vielerlei Hinsicht marode Zustand
war nicht mehr zu übersehen. Farblos wirkten nicht
nur die mit schwarzen Latten umrahmten Piranesi-
Stiche, der einzige Schmuck der Schulure, sondern
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auch die schwarz lackierten Türen und Fenster der
Klassenräume. Selbst das Erscheinungsbild der da-
mals noch in langen schwarzen Soutanen unterrich-
tenden zahlreichen Patres hatte etwas altertümlich Be-
drückendes. Dazu passte das gewaltige düstere Histo-
riengemälde “Salomos Urteil” an der Stirnwand des
Lehrerzimmers, auf dem ein Scherge einen Säugling
an einem Bein in die Höhe hielt, um ihn mit dem
Schwert in seiner anderen Hand zu halbieren bereit
war. In schroffem Gegensatz zu dem die Schule do-
minierenden Schwarz leuchtete die Kuppelhalle der
Stella Rheni in sämtlichen gegeneinander abgestuften
Limonadenfarben des Regenbogens. Um diesen ohne-
hin schon unerträglichen Kitsch noch zu krönen,
schickten sich unsere Anstreicher gerade an, die
Schwäne der Stuckatur im Kuppelkranz schwarz mit
feuerroten Schnäbeln einzufarben. Der erste hatte
schon das Licht dieser abwegigen Welt erblickt, als
Pater Stüper am Ako eintraf und mit einem donnern-
den “Halt!” diesem Spuk ein Ende bereitete.
Es hatte keine zehn, sondern nur sechs Jahre gedauert,
bis wir von nun an gemeinsam unseren Idealismus
wechselseitig stützen und verwirklichen konnten. Pa-
ter Stüper verbrachte seine ersten großen Ferien am
Aloisiuskolleg allein in der Stella, um durch seiner
Hände Arbeit die schlimmsten Übel zu beseitigen.
Zunächst entfernte er die brutal in die Eichenholzkas-
settendecke eingeschraubten Neonröhren, dann be-
spannte er die hellgrün gestrichenen Wandächen
zwischen der Wandvertäfelung und der Decke, die
ursprünglich mit gewaltigen Historienbildern bedeckt
und geschlossen gewesen waren, mit warm-
bräunlichem Rupfen, sodass die davon iegende De-
cke wieder einheitlich mit der Holzvertäfelung der
Wand verbunden war. Das in ihrer Höhe abgehängte
Netz einer Tellerbeleuchtung gab dem Terrassensaal
erstmals das richtungweisende ästhetische neue
Raumgefühl, das von nun an schrittweise in alle Räu-
me des Schlosses gestalterisch eindringen soll. Mit
unerschöpicher Fantasie wurde in jahrelanger Arbeit
Zimmer um Zimmer originell und individuell Lunge-
staltet. Der riesige kahle Schlafsaal mit dreizehn Ei-
senbetten‚ der sich in seiner abstoßenden Hässlichkeit
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den Namen Alt-Eton verdient hatte, wurde in einen
Bauemhof mit Schlawjen und Western-Saloon-
Türen verwandelt und mit einem Gewitterhimrnel
überzogen. In den viel zu hohen Schlossräumen wur-
den Schlafemporen errichtet, ir die allerdings die
wertvollen antiken Türen im oberen Drittel horizontal
zersägt werden mussten, was beim ersten Entschluss
ganz erhebliche Bauchschmerzen verursachte. Höhe-
punkte der anspruchsvollen Ausgestaltung waren
zweifellos der festliche, eigens für die Stella angefer-
tigte Kristall-Lüster in der Kuppelhalle und der Aus-
bau des dreigeschossigen Turmes, der bisher hinter
verschlossener Tür nur die Wasser- und Überlaufbe-
hälter der Installationsanlagen beherbergt hatte und in
seinem unvorstellbaren Dreck allenfalls einer Rum-
pelkammer glich. Jetzt weist er unten eine kleine Bib-
liothek auf mit einer hinter einer Schrankwand ver-
schwindenden Einbauküche, in der Mitte eine Dreier-
sitzgruppe vor einer rostgitterartigen Tischplatte über
der Heizung und dem herrlichsten Blick des Kollegs
über das ganze Rheintal sowie oben im kleinen Dach-
geschoss einen Schreibtisch und ein Bett. Es ist eine
Idylle, von der ich einmal gesagt habe: “Wem hier
nichts einfällt, hat es nicht verdient, dass er dem
Himmel so nahe sein darf.” Wir haben jedenfalls alles
getan, um dieser Nähe würdig zu sein. Theo Schneider
war sehr bald von Pater Stüper als Seelenverwandter
entdeckt und als Freund gewonnen worden. Als Trio
biindelten wir seither unsere Kräfte, um effektiv zu-
sammenzuwirken. Diese erfolgreiche Teamarbeit mit
Freunden bleibt für mich das Schönste, das ich in
meinem ganzen Berufsleben erfahren durfte.
Entsprechend dem immer würdiger werdenden Rah-
men galt es natürlich zugleich auch, nach einer ange-
messeneren Innenausstattung Ausschau zu halten. Die
ersten Entdeckungen gelangen bereits im Gerümpel
der zahlreichen Kellerräume unter der Stella: Echte
Meriankarten, Kisten voller alter Siegel, Schmiedeei-
serne Gitter, große Holzskulpturen des Heiligen Niko-
laus und der Heiligen Barbara sowie einige Ölgemäl-
de, eines sogar noch aus der Frührenaissance. Eine
wertvolle spätgotische Madonna und eine Mutter An-
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na standen nahezu unbeachtet im Dunkel der Unter-
kirche.
Da sich aber der neue Geist, der nun im Kolleg wehte,
allmählich herumsprach, fanden sich bald auch schön-
geistige Gesinnungsfreunde und wohlwollende Förde-
rer. Ein Schülervater spendete das eindrucksvolle ex-
pressionistische Ölgemälde von Peter Calmes, eine
Dame vermachte dem Haus drei kleine impressionisti-
sche Porträts, ein Bruder gab den Hinweis auf das
dreiteilige Renaissance-Chorgestühl aus Bergamo,
dessen wunderschöne Intarsien in einem Kölner De-
pot verstaubten. Alte Möbel, Truhen und Schränke
wurden zu Objekten der Begierde und alte Wagenrä-
der u/urden von unseren Handwerkern kunstvoll mit
einer dicken Glasplatte versehen und zu attraktiven
Tischen umfunktioniert. Zur farbigen Bebilderung der
Zimmer und Flure dienten vor allem die Künstlerpla-
kate zur klassischen modernen Malerei aus dem uner-
schöpichen Fundus der Galerie Lempert in Bonn.
Der Erwerb einiger der größten Kostbarkeiten verdient
allerdings eine besondere Erwähnung. Am abenteuer-
lichsten ist zweifellos die Beschaffung des farben-
prächtigen Dreikönigsgemäldes, das höchstwahr-
scheinlich sogar Hans von Aachen (1552 – 1615) ge-
malt hat. Nahezu schwarz verrußt, hing es völlig un-
beachtet über dem Kamin in der Luxemburger Jesui-
ran-Residenz. Die totale Gleichgültigkeit seiner Mit-
brüder dem Bild gegenüber machte es Pater Stüper,
der mit Röntgenaugen den verborgenen Schatz ahnte,
äußerst leicht, den dunklen Schinken für Godesberg zu
erbitten. Weil damals aber die Llberihrung eines
Kunstwerks ins Ausland mit erheblichen Schwierig-
keiten verbunden sein konnte, dachte er sich erfinde-
risch eine List aus. Er organisierte ein Tischtennistur-
nier, zu dem er mit seiner Mannschaft im VW-Bus
nach Luxemburg anreiste. Die zusammengeklappte
Tischtermisplatte war fachgerecht auf dem Dach mon-
tiert. Da die Hälfte seiner jungen Spieler jedoch kei-
nen Pass dabei hatte, gab es bei der Einreise das er-
wartete notwendige Spektakel mit den Grenzbeamten,
das Pater Stüper schließlich mit der Entrüstung, es sei
einfacher, hinter den Eisernen Vorhang in die DDR zu
gelangen als in das befreundete Luxemburg, zu seinen
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Gunsten beendete. Die Ako-Schüler erhielten eine ein-
tägige Besuchserlaubnis, die dann die nächtliche
Rückreise wesentlich beschleunigte. Man kannte sich
immerhin und wurde nur noch mit versteinerter Miene
durchgewtinleen. Dass nun jedoch Hans von Aachen
zwischen den Tischtennisplatten mitfulu‘, wurde
glücklicherweise nicht bemerkt. Heute ist sein Gemäl-
de das größte und leuchtendste in der Stella.
Weitere Kleinodien stammen aus dem Altenheim, das
meine Frau damals leitete. Natürlich war mir eine
große Kohlezeichnung mit musizierenden Engeln aus
dem 19. Jahrhundert gleich aufgefallen. Wesentlich
interessanter waren jedoch die großartigen Jugend-
stilmalereien von Friedrich Heyser (1857 – 1921) aus
der Entstehungszeit der 1893 fertiggestellten Stella. Er
hatte die Büste des alten bärtigen Diogenes gemalt,
der am helllichten Tag mit einer Laterne auf dem
Marktplatz von Athen den wahren Menschen suchte.
Das noch schönere und größere Gemälde zeigte die
feenhafte, leicht bekleidete Peri mit einer freien Brust
an der mit Blumen reich umrankten Himmelspforte.
Beide Ölgemälde waren in einem völlig desolaten Zu-
stand und wären wohl bald auf dem Sperrmüll gelan-
det. Diogenes fehlte im Gesicht die Nase, und in Peris
Paradies waren zehn klaffende Wunden gerissen, an
denen wohl Schirm- und Spazierstockspitzen offenbar
nicht ganz unschuldig waren. Die Bemerkungen der
Heirnbewohner über die beiden Bilder waren nur ab-
schätzig: Dass man alt sei, wisse man, und das junge
Weib sei ohnehin nur ein Ärgernis. Es waren also
höchst günstige Umstände, die uns die Lage überprü-
fen ließen. Meine Frau merkte zwar kurz an, sie neh-
me nicht an, dass unsere wiederholten Besuche ihr
gelten könnten. Als wir ihr daraufhin offen unser wah-
res Ansinnen unterbreiteten, war sie nicht nur sofort
einverstanden, sondern geradezu erleichtert, das leidi-
ge Problem los zu sein. Peri wurde gegen ein gewalti-
ges Seestück mit Sonnenuntergang ausgetauscht. Dio-
genes gegen einen prächtigen Blumenstrauß. Beide
Gemälde waren Geschenke der Kölner Kunsthandlung
Goyert, die die gekonnt gemalten Bilder in Kommis-
sion genommen, aber nicht verkauft hatte und deshalb
dem Kolleg schenkte.
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Es war ir mich ein zwiespältiges Gefühl, als die
Heimbewohner sich bei mir für mein “Herz für alte
Menschen“ bedankten; denn bei der kostspieligen
Restaurierung der Peri, – die Löcher mussten ge-
schlossen und die spröde gewordene Leinwand voll-
ständig erneuert werden, – kam auf dem Keilrahmen
ein Audeber zum Vorschein, der verriet, dass das
wertvolle Gemälde bereits 1901 auf der Weltausstel-
lung mit 10.000,- Reichsmark ausgezeichnet war.
In der Zimilade in Wiesbaden hatte Pater Stüper Wer-
ke des Bildhauers Werner Franzen entdeckt. Die Flö-
tenspielerin vor der Stella, die Kirschkemspucker am
J ägerhaus, der Adler in der Mensa und der Prophet
Ieremias vor der Krypta erinnern an ihn. Der Oster-
leuchter in der Kirche stammt von dem Bildhauer
Reinhold Schröder, der auch den Altarraum gestaltete,
der gewaltige Christuskorpus in der Krypta von Franz
Gutmann. Eine ganz besondere Geschichte rankt sich
jedoch um den Erwerb des Bronze-Engels von Ewald
Matare. Pater Stüper hatte ihn vergoldet auf dem Dach
der Essener Domschatzkarrnner bewundert und für
unsere neue Kirche als wünschenswert begehrt. Da
seine Schwester in Büderich wohnte und Kontakte zu
der Tochter des 1965 verstorbenen Künstlers pegte,
vermittelte sie uns bereitwillig einen Besuch. Betont
gepflegt, selbst Ludger hatte seinen dunkelblauen An-
zug, Weißes Hemd und Krawatte angezogen, versuch-
ten wir Frau Matare zu einem Nachguss zu überreden.
Die Zustimmung und Genehmigung durch den Bi-
schof von Essen waren eine sehr hilfreiche Vorausset-
zung. Aber erst als ich ihr auf die wohl entscheidende
Frage, wo der Engel denn hinsolle, etwas kokett ant-
wortete: “Wenn ich etwas übertreiben darf, aber das
muss man manchmal, wenn man überzeugen will,
dann kann ich sagen: >Wir bauen an den Engel Ihres
Vaters eine Kirche‚<” da lachte sie laut und meinte:
“Dagegen hätte er bestimmt nichts gehabt.” Diese et-
was übertriebene, aber erfolgreiche Bemerkung löste
leider in der Kommunität einigen Ärger aus. Wenn
man nun schon den Engel nicht mehr verhindern
konnte, so durfte er jedoch auf keinen Fall an der Al-
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tarwand angebracht werden. Diese kleine Verstim-
mung ihrte dann allerdings zur heutigen Ideallösung,
weil er im Prol am besten zur Wirkung kommt. Zu-
nächst musste aber eine neue Schwierigkeit beseitigt
werden. Die Betonverstärkung in der Wand, aus der
das tragende Stahlrohr in die Kugel eindringen sollte,
war entschieden zu hoch angesetzt, sodass die Figur
der Ästhetik wegen erheblich abgesenkt werden muss-
te. Dadurch scheint nun der Engel frei in den Raum zu
schweben. Da die Schale des zugesellten Kerzen-
leuchters auch noch genau mit der unteren Rundung
der Kugel übereinstimmt, ist eine so wunderbare
Vollkommenheit des Ensembles erreicht, als habe der
Himmel unsichtbar, aber gezielt seine Hand über das
Ganze gehalten.
Während mein Confrater Franz Nagel im Deutschen
Orden für den Hahn auf dem Kirchendach – wir hatten
ihn auf der Kapelle des Matemus-Hauses entdeckt –
herhalten musste, gestaltete ein anderer Confrater,
Paul Weigmami, ir unsere neue Mensa die beiden
quadratischen Farbglasscheiben mit einem Pater
noster und einem Ave Maria. Er verschloss auch im
Dachgeschoss des Turmes den rückwärtigen Blick auf
das nicht gerade attraktive Stelladach mit einer Farb-
Verglasung und dem Sinnspruch: “Die Klugheit eines
Menschen lässt sich daran ermessen, wie er das Künf-
tige oder das Ende bedenkt”, von Georg Christoph
Lichtenberg. Das abstrakte und farbintensive große
Mensa-Gemälde stammt ebenfalls von ihm.
Den unangezweifelten Höhepunkt aller neu erworbe-
nen Malerei bedeutet jedoch ir mich das zwei-mal-
drei-Meter große Altarbild “Golgotha” meines Lieb-
lingsmalers Hann Trier. Bei einem Besuch fragte ich
ihn, ob ich ihm einmal meine Arbeitsstätte zeigen dür-
fe. Auf unserer Fahrt von Euskirchen nach Godesberg
erkundigte ich mich nach dem Verbleib seiner Groß-
gemälde, wenn sie nicht gerade in einer Ausstellung
zu sehen wären. Er durchschaute mich sofort und
meinte umgehend: “Wieso? Wollen Sie eins verwah-
ren?” Das war zwar sehr direkt, deshalb antwortete
auch ich unumwunden: “Jedenfalls zeige ich Ihnen
heute eine Wand, wie sie dair würdiger nicht sein
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könnte.‘ Es ist müßig zu erwähnen, wie tief Hann
Trier vom ganzen Kolleg und seiner neuen Kirche be-
eindruclct war. Ein knappes Jahr danach rief er mich
an, um mich zu einer Ausstellungseröffnung nach
Köln einzuladen. In dem allgemeinen Gedränge be-
‘wunderte ich gerade ein sehr beeindruckendes, offen-
bar neues Gemälde, als er mir von hinten mit der Be-
merkung: “Sie stehen richtig”, auf die Schulter klopf-
te. Auf meinen fragenden Blick antwortete er mir:
“Das habe ich ir Sie gemalt.” Darauf wusste ich nur
resignierendzu sagen: “Tut mir Leid, aber der Preis
von einer viertel Million D-Mark hat mir bereits eine
eindeutige Entscheidungshilfe geleistet.” In seiner
rheinisch-verschmitzten Art lächelte er diabolisch und
meinte spöttisch: “Ich habe ihn etwas in die Höhe ge-
trieben, damit nicht gleich einer es kauft.” Doch im
Ernst fiigte er hinzu: “Es ist flr Ihre Altarwand und
ich werde es Ihnen als Dauerleihgabe zur Verfügung
stellen.” Mir verschlug es fast den Atem.
In einem Vertrag wurde nun festgelegt, dass das Bild
so lange im Kolleg verbleibt, wie es in der Kirche
Verwendung ndet. Auf eine Versicherung verzichte-
te Hann Trier mit der bissigen Bemerkung: “Versiche-
rungen versichern nur, was sicher ist.” Die Jahres-
summe hätte 3.500 DM gekostet.
In Gegenwart des Künstlers würdigte Pater Stüper in
seiner Predigt im Gottesdienst des Kollegsfestes 1992
das großartige Gemälde und drang mit seiner Interpre-
tation offenbar so tief in die Substanz des Werkes ein,
dass Hann Trier Tränen in die Augen traten.
Für Pater Stüper standen Kunst und Religion in einer
unmittelbaren Wechselbeziehung. In beiden geht es
um eine Annäherung an das unfassbare Geheimnis der
Schöpfung, um das ehrirchtige Staunen vor dem Er-
habenen. Infolgedessen blieben ihm auch alles Niede-
re und Primitive fremd. Seine Erziehungsziele waren
immer von einem Höheren bestimmt. Obwohl er um
seine Stärken wusste, seinen scharfsinnigen Geist, sei-
ne Schlagfertigkeit, seinen Witz, die Macht seiner na-
türlichen Autorität, seine tatkräige Zielstrebigkeit
und sein Durchsetzungsvennögen, verkannte er nie-
mals seine Schwächen. Auch er konnte sich irren, un-
bewusst ungerecht sein und übertrieben heftig reagie-
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ren. Zweifellos war selbst ein gewisser Egoismus
nicht zu übersehen. Aber das machte ihn menschlich
und schmälerte keineswegs die Anerkennung seines
Formats.
Es ist mir erst nachträglich bewusst geworden, dass
wir in unserer 48-jährigen Freundschaft nie einen
Streit hatten. Nur ein einziges Mal war unsere Bezie-
hung ir einige Wochen merkwürdigerweise sogar
ir unser Umfeld spürbar ein wenig getrübt. Ich halte
den Anlass ir so charakteristisch jr ihn, dass ich ihn
deshalb erwähnen möchte. Er hatte bei uns die be-
rühmte Chagall-Lithograe “Nice, Soleil, Fleurs” ge-
sehen tmd beschwor mich, auch ir das Kolleg einen
Abzug zu besorgen. Tatsächlich wurde die Galerie
Marco bald fündig, allerdings mit einem wunderbar
handsignierten Exemplar, das den Preis auch sogleich
um 2.000 DM in die Höhe trieb. Eines Sonntags,
meine Frau hütete mit einer schweren Erkältung das
Bett, statteten wir der Galerie unseren Besuch ab,
wurden schnell handelseinig und durchstreiften da-
nach – wie immer einzeln – die Ausstellungsräumlich-
keiten. Plötzlich vmrde ich beim Anblick zweier klei-
ner H.C.-Drucke aus dem Zyklus “Le tir d’oiseaux”
von Georges Braque derart gefesselt, dass ich umge-
hend das Weite aufsuchte‚ um einer unwiderstehlichen
Versuchung zu entgehen. Pater Stüper kam mir nach,
durchschaute sofort mein Problem und reagierte auf
meine unsicher zögernde, aber schon Verräterische
Frage, welchen der beiden Bilder er denn wohl den
Vorzug gebe, mit einem Ausdruck tiefster Entrüstung:
“Du wirst doch dieses großartige Paar nicht auseinan-
derreißen wollen! Die gehören untrennbar zusam-
men.” So war er! Geld interessierte ihn einfach nicht,
wenn es um Wesentliches ging. Natürlich wurde ich
schwach.
Ich brachte ihn ins Kolleg zurück, wir hatten schnell
den richtigen Platz für den Chagall im Jägerhaus ge-
funden und hielten spaßeshalber auch meine kleinen
Braques einmal an die Stirnwand der Sitzgrube unter
der Empore. Da passten sie nun derart unglaublich gut
hin, als wären sie ir diesen Platz eigens geschaffen.
Bei meiner Rückkehr nach Hause hatte sich der
Gesundheitszustand meiner Frau leider kein bisschen
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verbessert. Mein euphorisches Hochgeihl und der
hoffnungslos naive Therapieversuch mit der neu er-
worbenen Kunst verschlimmerten eher die Lage.
Missmutig warf sie mir die unnütze Geldausgabe vor,
argwöhnte einen hohen Preis, nannte sogar ärgerlich
die vermutete Summe, traf aber nur ein Sechstel der
tatsächlichen Wirklichkeit, sodass ich natürlich gänz-
lich verstummte, mich kleinlaut verkroch und unter
diesen bedrückenden Umständen völlig vergeblich im
ganzen Haus nacheinem geeigneten Platz für die Bil-
der suchte. Mir blieb zuletzt nichts anderes übrig, als
die Steine des Anstoßes, also das völlig geleerte Spar-
buch und sein kostbarer Gegenwert, vorerst möglichst
diskret aus dem Wege zu schaffen.
Regelmäßig um Sieben verließ ich das Haus und war
nicht wenig überrascht, als Pater Stüper mir auf der
Petersbergstraße das erste und einzige Mal in meinem
Leben zu Fuß entgegenkam. Meiner erstaunten Frage
begegnete er gleich mit seiner Gegenfrage: “Hast Du
die Bilder?“ Obwohl er nun mein Missgeschick wirk-
lich nicht kennen konnte, verblüffte mich seine Be-
gründung: “Du hast gestern genauso wie ich gesehen,
wo sie unbedingt hingehören.” – Da hängten wir sie
nun auch sofort auf!
Nach etwa zwei Jahren, ich hatte längst alles gebeich-
tet und vergeben bekommen, fragte mich meine Frau
einmal beiläug: “Weiß eigentlich einer im Kolleg,
dass die beiden Braques uns gehören, denn immerhin
war es ja auch mein Geld, womit sie bezahlt wur-
den?””Natürlich,” fuhr ich auf, “Stüper war doch da-
bei.” Aber plötzlich bekam auch ich ein ungutes Ge-
ihl. Nicht, dass ich an seinem Gedächtnis gezweifelt
hätte, aber seine eigenwilligen Schlussfolgerungen
bargen doch mitunter sehr ungewöhnliche Überra-
schungen. Bei der nächsten Gelegenheit untemahm
ich also den vorsichtig tastenden Versuch, die Ereig-
nisse des damaligen Sonntags noch einmal in Erinne-
rung zu bringen. Später meinte Pater Stüper: “Ich habe
sofort den falschen Ton in Deiner Stimme gehört, als
Du erstmals >meine< Braques sagtest.” Auf meine
Frage, wem die denn plötzlich anders gehören sollten,
erhielt ich eine für ihn typische Antwort: “Ich war
überzeugt, dass Deine Intelligenz ausreichen würde,
das irgendwie mit Deiner Ako-Pro-Kasse zu erledi-
gen.” Als er in meinem Gesicht die Absurdität seiner
Überzeugung erkannte, resignierte er wohl und verließ
mit der wütenden Bemerkung das Zimmer: “Wenn ich
gewusst hätte, dass die jemals wieder abgehängt wür-
den, wären die niemals dahin gekommen.” Obwohl
ich seine Enttäuschung nachihlen konnte, hatte sich
an den eindeutigen Besitzverhältnissen nichts geän-
dert. Deshalb hängte ich die Bilder in den Osterferien
kurz entschlossen ab, allerdings nicht ohne sie durch
ein herrliches Aquarell-Gemälde von Peter Calmes zu
ersetzen. Seine farbenfrohe Leuchtkraft musste auch
ihm gefallen. Doch über die Affäre selbst verloren wir
niemals mehr ein Wort, damit musste jeder für sich
fertig werden. Schließlich ist wohl Gras darüber ge-
wachsen, hoffentlich.
Heute sind der Chagall und der Calmes im Jägerhaus
von Ako-nahen Verbrechern gestohlen, dagegen zie-
ren meine kleinen Braques noch immer beglückend
unser Schlafzimmer.
Ein weiteres, allerdings nur erfreuliches Bilderlebnis
betrifft eine Original-Farbradierung von Johimy Fried-
laender “Paysage a la lune” in einem außerdem noch
unvorstellbar schönen Rahmen. Ich hatte mich spon-
tan in das Bild verliebt und fuhr nun schon in der
sechsten Woche immer wieder nach Köln, um endlich
davon loszukommen. Als es trotz allem nicht gelang,
bat ich Pater Stüper um eine Entscheidungshilfe. Er
erklärte sich auch sofort bereit, einmal mitzufahren
jedoch erst in zwei Tagen.
Aber welch eine Enttäuschung! Das Bild war tags zu-
vor verkauft worden! “Nimm es doch einfach als Dei-
ne erbetene Entscheidungshilfe an,” tröstete er mich
geradezu fatalistisch, während die Galeristin offenbar
meinen Zusammenbruch fürchtete und wohlwollend
optimistisch mir auf ihrer bevorstehenden Parisreise
eine hoffnungsvolle Chance in Aussicht stellte. Lud-
ger zeigte volles Verständnis dafür, dass ich nun keine
Lust mehr hatte, mit ihm noch irgendwo essen zu ge-
hen.
Wenige Tage später bat er mich um eine dringend
notwendige Unterredung. Er tat sehr geheimnisvoll,
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wies meine drängende Neugierde mit der nichtssagen-
den Erklärung zurück, es betreffe nur ihn und mich,
sei aber sehr wichtig. Damit vermieste er mir eigent-
lich nur meine letzte Unterrichtsstunde. Am Nachmit-
tag fllhl‘ er mich dann fast aggressiv an: “Du wirst
doch überhaupt noch keine 50, Du siehst nur so alt
ausl”. Als ich ihn daraufhin entgeistert und verständ-
nislos anstarrte, erklärte er mir, er habe geglaubt, ich
hätte einen runden Geburtstag und könne mir nun ei-
nen Wunsch rneincr Begierde als Kommunitätsge-
schenk erfülleni Natürlich sei er sofort nach Köln ge-
fahren, habe das Bild gekauft und die erste Rate auch
schon bezahlt. Aber nun habe er erfahren, dass mein
50. Geburtstag erst in zwei Jahren sei, und so lange sei
er nicht bereit, mein Geschenk in seinem Schrank zu
verwahren. Leider müsse ich die Finanzierung nun
wieder selbst in die Hand nehmen. das tat ich mit
Freude und habe es bis heute nie bereut.
An Großmut fehlte es Pater Stüper wirklich nicht. Auf
einem unserer Streifzüge erlebten wir, wie der Anti-
quar gerade von seinem Beutezug zurückkehrte und
vier Kaffee—Gedecke aus Meißener Porzellan mit-
brachte und mit je 250 DM auszeichnete. Als ich da-
rauf hinwies, dass meine Frau zwei solche Gedecke
mit dem Motiv der wilden Rose von meinem väterli-
chen Freund geerbt hätte, stand für Ludger sofort fest,
dass ich ihr nun das halbe Dutzend voll machen müs-
se. Der Gedanke, ir sie einmal derart schöne Überra-
schungsgeschenke zu haben, beglückte auch mich,
und ich griff zu.
Als er nach einigen Wochen zufällig meinen Büro-
schrank öffnete und noch drei Gedecke darin erblick-
te, stutzte er und fragte ratlos: “Was bedeutet denn
das?” Ich erklärte ihm, zu Ostern hätte ich eine Tasse
mit Pralinen füllen und in einer Cellophan-Pyramide
zusammen binden lassen und meiner Frau als Osterei
überreicht. Die nächste bekäme sie zu ihrem Geburts-
tag am l. Mai. Sein Entsetzen ist kaum zu beschrei-
ben. Er sprach es zwar nicht aus, aber so viel klein-
bürgerliches, planwirtschaftliches Verhalten eines
scheinbar glücklich verheirateten Ehemannes machten
ihn derart fassungslos, dass er kopfschüttelnd das
Zimmer verließ. Doch dann kam er schnell zurück und
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sagte mir: “Wenn Du in den nächsten Tagen die drei
Gedecke vermisst, dann war ich in Euskirchen und
habe sie Helga als persönliches Geschenk von mir ge-
bracht.” – Das war seine Sprache und ich verstand sie
dankbar.
In unübersehbarer Deutlichkeit fand ich eines Mor-
gens auf meinem Schreibtisch die plakative offizielle
Ehrenurkunde des Aloisiuskollegs, die mir als Aner-
kennung gewidmet und vom Direktor höchstpersön-
lich unterschrieben war. Da Ludger nicht nur meine
Schränke öffnete, sondern unbekümmert auch alles
las, was auf dem Tisch herumlag, hatte er meinen
Entwurf für einen Rotary-Vortrag studiert, in dem ich
nach meiner spätreifen Promotion einmal die unglaub-
lichsten Winkelzüge akademischer Machenschaften
aufzeigte, die es in meinem Fall beispielsweise aus
durchsichtigen Gründen ermöglichten, dass mein Ri-
gorosum sechsmal in einem Zeitraum von dreizehn
Monaten verschoben werden musste, weil der zustän-
dige Prüfer jedes Mal wenige Tage vorher zu einem
Gastvortrag in die USA reiste.
Da aber in jenem Jahr der deutsche Nationaltorhüter
Tony Schumacher in einem Aufsehen erregenden Su-
delbuch die ganze Schmutzwäsche seines Kölner Ver-
eins ausgebreitet hatte, attestierte mir der Direktor des
Aloisiuskollegs nun für mein Elaborat in der Ehrenur-
kunde handschriftlich die “Anerkennung dieser Meis-
terleistung eines Tony Schumachers der Germanistik”.
Leider verstand ich ihn wieder sofort und wusste, dass
mich die Korrektur wohl ein Wochenende Arbeit kos-
ten würde. Er selbst erklärte mir, dass man meinen
Ausführungen zu sehr meine Verärgerung anmerke.
Deshalb hätte er nicht zulassen können, dass ich mir
vor meinem Club diese Blöße gebe. – So sind wahre
Freunde!
Manchmal kann diese Freundschaft allerdings auch zu
einer bösen Überraschung führen. Eines Tages er-
schien bei mir die Zollfahndung, um mich mit einem
beschlagnahmten Warenkontingent zu konfrontieren.
Ich war eindeutig der Adressat von vier Kartons mit
jeweils zwölf Flaschen einer Spätlese aus der Wachau,
die als Probiermuster etikettiert waren. Da ich aber
weder den Absender kannte, noch irgendeine Erklä-
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rung für das offensichtliche Missverständnis wusste,
verweigerte ich natürlich die Annahme, erbat mir aber
vorsichtshalber noch einen Tag Bedenkzeit, um durch
intensive Grübelarbeit vielleicht doch noch auf des
geheimnisvollen Rätsels Lösung zu kommen. Schließ-
lich fragte mich meine Frau: “Waren nicht Deine Pat-
res während der Osterferien in Österreich?” Die waren
zwar schon wochenlang vorbei, trotzdem rief ich um-
gehend im Kolleg an. Pater Stüper bestätigte mir auch
sofort den Aufenthalt, fing an zu schwärmen und erin-
nerte sich plötzlich an einen Abend, an dem man sogar
meiner gedacht habe, weil sie einer Spätlese zuge-
sprochen hätten, die auch nach meinem Geschmack
gewesen wäre. Dann fiel ihm die Absprache mit dem
Winzer ein, kündigte die Nachnahme-Sendung an, die
man natürlich brüderlich teilen werde. Selbstverständ-
lich dürfte ich die Hälfte für mich behalten und lobte
sich, weil er selbst in den Ferien noch in Momenten
des Glücks an mich dächte.
Nachdem ich geschluckt hatte, bedankte ich mich
spöttisch für derartige Sympathie-Bekundungen, frag-
te, ob sie wenigstens wüssten, dass Österreich der
EFTA-Zone angehöre und seine Waren ins Ausland
verzollt werden müssten. Natürlich hatten beide von
all dem keine Ahnung, und es war ein Glück, dass
man dem Wein nicht anmerkte, wie sich sein Preis
dadurch verdoppelt hatte. –
Jedenfalls erhielt ich das nächste Mal rechtzeitig die
Mitteilung, mich auf eine ziemlich kostspielige Nach-
nehme-Sendung vorzubereiten. Pater Stüper hatte
Idar-Oberstein besucht, war einer unwiderstehlich
schönen Arnethystdmse mit eingewachsenem großem
Bergkristall begegnet, die ihn trotz heftigster Gegen-
weht davon überzeugt hatte, unbedingt in die Stelle zu
gehören. Es war wirklich ein herrliches Exemplar und
ist heute noch auf dem Kaminsims in der Kuppelhalle
zu bewundem, allerdings ohne den Bergkristall, den
eines Morgens ein Vandale herausgebrochen hatte.
Zunächst jedoch schmückte das schöne Stück lange
unsere Wohnung, bis Pater Stüper einen Anlass an-
mahnte, es endlich seinem Bestimmungsort zuzufüh-
ren. Tatsächlich fragte mich der Lehrerrat nach einem
angemessenen Geschenk zu seiner Verabschiedung.
15
Nun wusste ich ja schnell Rat, errechnete auch für je-
den Einzelnen den etwaigen Betrag, der nach heftigen
Diskussionen schließlich halbiert wurde, meine Frau
verpackte alles in einem attraktiv dekorierten
Schmuckkarton, den der Lehrerratsvositzende in einer
Feierstunde überreichen ließ. Der Beschenkte zeigte
auch das notwendige Erstaunen, dankte artig und lobte
dann überschwänglich den guten Geschmack des Kol-
legiums, das ihn mit einem Geschenk beglücke, wie er
es sich selbst nicht besser hätte aussuchen können.
Unser Mineralogie-Expene erkundigte sich neugierig
nach der Herkunft und versicherte mir fachkundig, der
reale Marktwert dieser Druse betrage mindestens das
Doppelte. Aber wen interessierte das noch?
Angesichts seines endgültigen Eintritts in die Societas
Jesu erlaubte der Orden Pater Schneider eine Reise in
die Heimat des Ordensgründers. Die Rückfahrt sollte
über Paris führen. Wir wollten dort mit ihm ein paar
Tage verbringen, um dann gemeinsam in seinem VW
die Heimreise anzutreten. In Köln hatten wir ein leeres
Coupe bestiegen, Ludger lobte die Bequemlichkeit
eines Eisenbahnabteils gemessen an der Enge eines
Autos, womit er ein wenig spöttisch auf meinen Audi
anspielte, ging noch einmal auf den Bahnsteig, traf
überüssigerweise Schülereltem, zu denen wir nun
selbstverständlich umziehen mussten. Nach einem
kleinen Imbiss kam für ihn die sakrosankte Zeit seines
Mittagsschlafs. Der war für ihn eine existenzielle
Notwendigkeit. Einmal hatte er sogar eine unserer Er-
zieherinnen völlig verwirrt, indem er auf ihrem Bett
umgefallen und eingeschlafen war. Jetzt überkam ihn
plötzlich eine Eingebung. Er blinzelte mir zu und frag-
te die Eltem: “Hat Ihnen mein Kollege schon einmal
seine faszinierende Chinareise erzählt, die er im letz-
ten Jahr unternommen hat?” Es ist müßig zu erwäh-
nen, dass er bei meinem Start in Frankfurt schon tief
schlief. Da ich seinen Bedarf kannte, erwachte er auch
prompt bei meiner Landung. Doch er rettete blitz-
schnell die peinliche Situation, indem er zum Geläch-
ter aller anmerkte: “Er hat das alles schon einmal viel
spannender erzählt.”
l6
Ähnlich schnell reagierte er auch, als Theos Auto aus
der Rue de Grenelles vor dem Haus der Jesuiten ver-
schwunden war. Da er es unbekümmert im Parkverbot
abgestellt hatte, lag der Verdacht nahe dass es abge-
schleppt worden war. Weil die Polizei das jedoch hef-
tig bestritt, musste es gestohlen sein. Während Theo
sorgenvoll über seine Verluste sinnierte, raunte Lud-
ger mir leise zu: “Merkst Du was? Rückkehr im Lie-
gewagen der Bundesbahn, Theo hat einen Schutzbrief
und ist gegen Diebstahl versichert.” Und so geschah
es.
Leider hatte die Polizei dann doch abgeschleppt, und
ein junger Jesuit erhielt die Möglichkeit zu seinem
ersten Parisbesuch‚ um das Auto wieder abzuholen.
Pater Stüper liebte Autos oder, richtiger gesagt, Auto
fahren. Und so kann es nicht wundern, dass sein Vater
ihm zum Eintritt in den Orden sozusagen als Ab-
schiedsgeschenk und als Kompliment zur Anerken-
nung dieser Entscheidung einen Opel schenkte. Nach
den neuen Spielregeln, denen er sich nun unterworfen
hatte, wusste er, dass er sicherheitshalber seinen Obe-
ren fragen sollte, ob er ein solches Geschenk anneh-
men dürfe. Es wurde natürlich vorbehaltlos begrüßt
und dankbar in der Kommunität verkündet, aber die
Autoschlüssel und damit die Fahrerlaubnis erhielt ei-
ner seiner Mitbrüder. Das war für Pater Stüper ein ers-
tes nachhaltiges Schockerlebnis, das er sein ganzes
Leben lang nicht vergessen konnte. Vielleicht glaubte
er deshalb, solchen unliebsamen Überraschungen
künftig klüger vorbeugen zu müssen. Ihm war später
klar, dass sein persönliches Erbe automatisch in den
Besitz der Societas übergehen werde. Weil ihm aber
die Vorstellung zuwider war, dass damit dann irgend-
eine belanglose Reparatur beglichen werden könne,
bat er mich, bei meinen juristischen Freunden einmal
nach Möglichkeiten zu forschen, darauf Einuss zu
nehmen. Das war dann offensichtlich höchst kompli-
ziert, aber zuletzt doch erfolgreich. Die wunderbare
Standuhr in der Stella, eine Chinoiserie, die der Uh-
ran-Experte des Kollegs sofort in ihrem Alter, ihrer
Herkunft und in ihrem Wert exakt bestimmte, entfach-
te in ihm eine Liebe, in der er sich verpichtete, le-
benslang für dieses kunstvolle Werk Sorge zu tragen.
Mehr Kummer bereitete jedoch der große handgeweb-
te Teppich, der als Vorleger für das Renaissance-
Chorgestühl dienen sollte.
Um fünf Uhr morgens klingelte bei uns das Telefon.
Am Apparat war Pater Stüper, der mir uchend er-
klärte, dass er nun schon seit Tagen um diese Zeit aus
dem Bett müsse, um die Flusen zu entfernen, die ein
neu gewebter Teppich – wie er leider erst jetzt erfah-
ren habe, – in den ersten Wochen notwendig abstoße,
bis er festgetreten sei. Er nehme diese Buße zwar auf
sich, aber er sehe nicht ein, dass ich währenddessen
noch ahnungslos schlummere, da ich zumindest ge-
nauso mitschuldig sei wie er. Die Genugtuung, mich
nun wenigstens etwas beteiligt zu haben, müsse ich
ihm schon gönnen.
Es muss nicht verschwiegen werden, dass Vielen die
Verschönerung der Stella auch ein Ärgernis bedeutete.
Solange sie verwahrloste und zur Brennholzfabrik
verkam, nahm das niemand zur Kenntnis. Jetzt aber,
da sie sich zunehmend in einen Musentempel verwan-
delte, fingen selbst Lehrer an, lieber nach besseren
Tafeln zu verlangen. Aber hatte das überhaupt etwas
miteinander zu tun? Ich habe mich damals in der Kon-
ferenz dagegen verwehrt und erklärt, der Herrgott las-
se auch Orchideen wachsen, obwohl manche schon
mit Kartoffeln zufrieden wären. Wer an den ästheti-
schen Wert der Erziehung glaubt, und wir sind davon
fest überzeugt, der wird erleben, wie das Verhalten der
Kinder ganz entscheidend von ihrer Umgebung ge-
prägt wird. Die Verschönerung der Stella war ja
schließlich kein Selbstzweck. Wie früh regte Pater
Stüper bereits die Stella-Konzerte an‘? Und was bedeu-
tete es für ein junges Talent, sich hier in einem derart
festlichen Rahmen seinen Freunden, seinen Verwand-
ten, seinem Publikum präsentieren zu dürfen? Die
Stella-Konzerte wurden zu nachhaltigen Erlebnissen
und Höhepunkten im Leben der Musiker und der Zu-
hörer. Und das lag nicht zuletzt an dem wunderbaren
Ambiente.
18
Glücklicherweise fand es vielfache Anerkennung und
beifällige Resonanz. Überhaupt wurden die Verände-
rungen und Neuerungen im Kolleg allmählich in der
Öffentlichkeit immer stärker bemerkt und beachtet.
Das lag vor allem an den zahlreichen das Kolleg über-
greifenden Aktivitäten des Ako-Pro, die der Jugend
unserer ganzen Stadt ein breit gefächertes Spektrum
an Möglichkeiten zu einer sinnvollen außerschuli-
schen Freizeitgestaltung unterbreitete. Dem Jugend-
amt vmrde schnell bewusst, dass hier ein riesiges Ju-
gendzentmm entstand, das wegen seiner räumlichen
und personellen Voraussetzungen auch für die Stadt
von größtem Vorteil war. Entsprechend großzügig ge-
staltete sich deshalb das Entgegenkommen. Die Stadt
bot an, sämtliche Kosten ir Raummieten und Reini-
gungen zu übernehmen und alle Anschaffungen für
die Jugendeinrichtungen zu bezuschussen. Das Gene-
ralvikariat beteiligte sich ebenfalls mit einer festen
Jahressumrne. Da das Ako-Pro in seiner Hochzeit
jährlich 700 achtwöchige Kurse durchführte, die ins-
gesamt rund 7.000 Teilnehmer zählten, erwirtschaftete
es eine Einnahme, die der Rektor ihm ebenso bewusst
wie klug überließ, um Projekte planen zu können, die
dem Kolleg zwar wünschenswert, aber keineswegs
vordringlich waren. Es begann mit der Ausstattung der
Werkräume und der Einrichtung der Sendestation, es
folgten das Chemie- und das Fotolabor. Höhepunkte
waren zweifellos die Tennisanlage und das Clubhaus
sowie die Sternwarte mit dem größten tragbaren Tele-
skop der Welt, die dem Ako-Pro als Anerkennung sei-
ner Jugendarbeit von Finnen der Stadt anlässlich der
2000-Jahr-Feier gestiftet wurden. Aber auch kleinere
Arbeiten wie die Makadamstraße zur Stella mit ihrer
Straßenbeleuchtung und die Restaurierung der spätgo-
tischen Madonna konnten aus der Ako-Pro-Kasse be-
zahlt werden. Es war für alle Beteiligten ein wunder-
barer Vertrauensbeweis, dass ein Ako-nahes Großun-
ternehmen das Dezit unserer Bilanz kommentarlos
am Ende des Jahres beglich. Auch das muss einmal
dankbar erwähnt werden.
Doch die vielen kleinen und großen Erfolge wurden
im Wesentlichen durch die konstruktive Zusammen-
arbeit der zahlreichen Gesinnungsfreunde, vor allem
l9
jedoch durch das überzeugende Einvernehmen von
Schule, Internat und Ako-Pro unter dem Dach des
Kollegs bewirkt. Natürlich gab es auch Differenzen,
Diskussionen und mitunter sogar heftige Dispute.
Aber niemals verließ jemand das gemeinsame Boot,
weil uns bewusst blieb, dass nur im wechselseitigen
Mit- und Füreinander die Kraft wurzelte, das erstrebte
höhere Ziel des Ganzen zu erreichen. Wenn dieser
Wille in jedem Einzelnen vorhanden ist, findet sich
notwendig der richtige Weg zur Lösung selbst der
schwierigsten Probleme.
Lassen Sie mich zum Schluss dafür ein Beispiel an-
führen, das wie eine symbolhafte Anekdote anmutet,
aber sich tatsächlich so zugetragen hat: Als mich un-
ser sehr genauer und gewissenhafter Rechnungsprüfer
mit einer kleinen Spitze gegen mich einmal fragte, ob
ich ihm wenigstens mitteilen könnte, wie er die Res-
taurierung einer Madonna unter “Jugendarbeit” sub-
sumieren solle, sagte ich: “Schauen Sie doch einfach
hin, sie trägt doch ein Kind auf dem Arm.” Es war
ebenso humorvoll wie ernsthaft gemeint. Denn in der
Botschaft dieses Kindes gründet die Kraft, die es je-
dem im Rahmen seiner Möglichkeiten erlaubt, das
Beste im Dienst eines Höheren zu verwirklichen. Un-
ser Rechnungsprüfer hat offenbar für mich als Freund
den richtigen Weg gefunden, denn die Madonna
schmückt noch immer den Eingangsbereich unserer
Stella, – der Stella von Pater Stüper, der sich sein Le-
ben lang im Dienst eines Höheren wähnte und dadurch
die Devise der Societas Jesu vorbehaltlos beherzigte:
OMNIA AD MAIOREM DEI GLORIAM.
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20 Responses to In memoriam Pater Ludger Stüper SJ

  1. Robert M. Garcia says:

    Im Zusammenhang mit den Jesuiten am Aloisiuskolleg in Bonn sind zwei Verfahren gegen Herrn Siebner von Interesse.
    Das Verfahren in welchem Siebner zur Vermeidung einer einstweiligen Verfügung Ansprüche anerkannt hat (Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen 101C436/12).
    Daran schliesst sich ein Verfahren vor dem Landgericht Bonn, in welchem Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz in dieser Angelenheit geltend gemacht wird, an (Aktenzeichen 401/13).
    Daneben ist in der selben Angelegenheit eine Strafanzeige gegen Herrn Siebner gestellt worden.

  2. Fritz Schmitz says:

    Gibt es nähere Informationen über die Streitigkeiten?

    • Ulrich Reiniger says:

      Die Verfahren sollen in Zusammenhang mit dem Beitrag von Frontal21 über das Aloisiuskolleg stehen. Dieser ist aus der Mediathek entfernt worden, aber kann über youtube angesehen werden:

      • David G. Lamb says:

        Das wundersame ZDF. Investigativer Journalismus unter Rücksichtnahme auf Religion, Politik und denen, die sonst noch Zeit haben sich in einem Fernsehrat zu tummeln. Wie beispielsweise Herr Dr. Hans Langendörfer, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Mitglied des ZDF-Fernsehrat und Teil der Kommunität der Jesuiten auf dem Aloisiuskolleg in Bonn.

      • Fritz Schmitz says:

        Danke für die Nachricht. Das war doch die Geschichte mit dem Wallmeyer, der sich über Jahre an Kindern des Ako vergriffen hben soll. Ich habe von einer Friedhofsgeschichte gehört. Der Orden soll dort auch Herrn Wallmeyer vergraben haben. Illegal? Gibt es dazu irgendwelche Informationen?

      • Ruth Gransel says:

        Der Typ mit dem verdeckten Gesicht in dem Film, der als S. bezeichnet wird? Ist das Herr Stüper?

  3. Ruth Gransel says:

    Herr Langendörfer ist doch auch derjenige, der seine Hände im Spiel hatte, bei der Pfeiffer Geschichte letzte Woche. Welche Rolle spielt der Mann bei den Jesuiten. Ich meine tatsächlich. Nicht ofiziell.

  4. Doris Rediem says:

    Friedhofsgeschichte? Das ist etwas verkürzt. Die betreiben auf dem Ako einen Friedhof. Unklar ist, ob sie eine Genehmigung haben. Es gibt jedoch eine Bonner Familie, die dagegen vorgeht.

    Aus dem Ako hiess es noch bis vor Kurzem, daß “die Erde dort geweiht bleibe”. Wie kann es sein, daß Erde, unter der sich Typen verkrochen haben, die Kinder missbrauchten, geweiht ist?

  5. Anke Sturm says:

    Ein grauenhaftes Geschreibsel. Ein Hilferuf von Christian H. an Theodor S. (Rufname: Theo)
    _________________________________________________________________________
    Christian Herwartz SJ schreibt:
    21. Januar 2013 um 23:05

    Sehr geehrter Herr Neft,
    ja Pater Schneider hat die Verantwortung für sein Tun. Er braucht sie nicht nachträglich übernehmen. Da er nicht spricht, muss ich hinsehen und meine Schlüsse ziehen. Würde er doch sprechen und die Wahrheit nicht verdecken. So stochern wir in der Wirklichkeit herum und können nur von Tag zu Tag ärgerlicher werden. Theo Schneider war mit dem Haupttäter P. Stüper am AKO befreundet und wohl blind für sein Handeln. Das wird er vielleicht heute ebenso sehen. Warum sagt er es nicht? Ich will gar nicht sein Richter sein. Aber ich suche die Wahrheit. Bisher kann ich aus den Untersuchungen nur unterlassene Hilfeleistung gegenüber Schutzbefohlenen feststellen. Selbst da will ich nicht sein Richter sein. P. Schneider wird mit diesem Verbrechen klarkommen müssen. Es muss furchtbar sein diese Taten im eigenen Gewissen zu entdecken.

    Hier interessiert mich das heutige Verweigern der Aussagen, den damals dem billigen Frieden Geopferten nicht beizustehen. Das Schweigen kann doch das falsche Handeln nicht rechtfertigen. Es liegt offen zutage. Oder nicht?

    Lieber Theo wann beginnst Du zu sprechen? Erst auf dem Sterbebett? Wie wenig Vertrauen hast Du in den Gott, den Du verkündigst, den Gott der Barmherzigkeit, der uns in unseren Nächsten begegnen will?
    Ich habe lange gewartet, bis ich diese Gedanken offen aussprechen, um Dir die Zeit der Umkehr zu lassen, entsprechend dem Evangelium. Doch jetzt scheint es mir reif, sie auszusprechen.
    Bitte kehre um und tue was Du den Kindern im Beichtunterricht verkündigst!
    Christian Herwartz
    __________________________________________________________________________

    Schneiders Theo soll zu sprechen beginnen. Weshalb? Heisst das etwa, daß Schneiders Theo noch niemals sprach? Von Geburt an nicht? Das klingt unglaubwürdig. Und wenn schon: Schneiders Theo wird nicht sprechen. Schneiders Theo ist doch nicht verrückt. Schneiders Theo hat erstklassige Anwälte. Die werden ihm zu dem raten, was die Jesuiten im Schlaf können: Schweigen.

    Schneiders Theo soll umkehren. So jedenfalls will oder empfiehlt es Herwartz’s Christian. Wohin? Vor allen Dingen: Steht fest, aus welcher Richtung er kommt? Vielleicht ist Umkehr nicht mehr möglich oder nur mit einem erheblichen Punktabzug (in der B-Note, die steht für den künstlerischen Ausdruck)..

    Der Blogwart des Täterblogs “Unheilige Macht” interessiert sich für des Schneiders Theo Aussageverweigerung. Was denkt sich dieser Mann (Blogwart) eigentlich? Dass er mir nichts, Dir nichts den schweigenden Theo S. zum Sprechen bringt? Und was soll Schneiders Theo davon haben? Mit Ausnahme dessen, daß er sich bei Herwarzt’s Christian lieb’ Kind macht? Nichts.

    Die Forderung von Herwartz’s Christian an Schneiders Theo nach Umkehr ist umso unverständlicher, als daß ja gar nicht feststeht, ob es Veranlassung zur Umkehr gibt und wenn ja, ob sie Schneiders Theo etwas nützte. Vieleicht wäre es viel klüger, Schneider Theo würde nicht umkehren und den einmal eingeschlagenen Weg beibehalten. So, wie die Jesuiten das ja gerne und erfolgreich praktizieren.

    Und wenn der Weg der Umkehr steinig wird? Steiniger, als es sich Herwartz’s Christian gedacht hat. Wird er dann die Steine aus dem Weg des Schneiders Theo räumen?

    Das sind Fragen, die geklärt werden müssen, bevor zur Umkehr geraten wird. Auch das mit dem Sprechen will wohl überlegt sein. Worte, die einmal aus dem Mund entwischt sind, lassen sich nur schwerlich wieder einfangen.

    Und was heisst in diesem Zusammenhang “billiger Frieden”? Ist das so wie “billiger Jakob” gemeint? Ein solches Sprahbild würde ganz und gar nicht passen. Sprachlich schöner wäre übrigens “billiger Friede”. Abgesehen davon ist ja gar nicht ersichtlich, ob der Friede billig war. Und wenn schon, Vielleicht war er nicht zu einem anderen Preis zu haben.

  6. Fritz Schmitz says:

    Wenn ich das, was zitiert wurde, richtig lese, geht es um Folgendes: Sobald sich ein Verzeihender findet, ist der Sünder aus dem Schneider. Im wahrsten Sine des Wortes.

    Und wo bleibt das Opfer?

  7. t says:

    Viele wüßten sicher Vieles und haben es gebilligt. Damit müssen diese Menschen leben und auch sterben. Ich verabscheue diese Menschen die zu Tätern werden (allein auch dadurch das sie etwas decken) und dann zu Ihrem vermeintlich gnädigen Gott um Vergebung bitten da sie ja schwach seien.

  8. Susej von Hterazan says:

    Wahrscheinlich bitten sie ihren Gott schon vor Beginn der Verbrechen um Vergebung, damit sie ganz sicher sein können, Ablass zu erhalten. So lässt es sich auch wesentlich entspannter Kinder schänden. Schänden ohne Risiko.

    Interessieren würde in diesem Zusammenhang noch Folgendes: Wenn es, was durchaus wahrscheinlich ist, mehrere Götter gibt, zu denen die Anhänger der unterschiedlichen Religionen flehen, dann wäre es doch interessant zu wissen, ob der eine oder der andere Gott vergibt oder nicht vergibt. Somit enstünde eine Art Ranking der mehr oder weniger vergebenden Götter. Diese führte unweigerlich dazu, daß es für den einen oder anderen jesuitischen Verbrecher günstiger wäre, die Gottes-Seite zu wechseln. Aber natürlich nur dann, wenn gesichert ist, daß der Wechsel auch wirklich zu einem Ablass führt.

    Das herauszufinden, ist natürlich nicht so einfach und setzt einen sehr guten Draht “nach Oben” voraus. Und es eröffnet einer Ablass-Industrie ganz neue Perspektiven.

  9. Fritz Schmitz says:

    Ich frage mich angesichts des obigen Posting, warum die Sprache manchmal so schroff, so schier unerträglich ist. Eine Antwort könnte wie folgt lauten:

    Normalerweise müsste man diesen Tieren, die so mit unserer Zukunft, mit den Kindern, mit dem, was uns heilig sein müsste, umgegangen sind, so eins ‘reinhauen, daß sie nicht mehr wüssten, wo Gott wohnt.

    Aber das geht natürlich nicht. Zum einen, weil es Ärger mit den Strafbehörden gäbe. Zum anderen, und das erscheint mir noch wichtiger, weil der Dreck, der durch die Berührung (selbst, wenn man Handschuhe anzöge) entstünde, auf Jahre hnaus an einem kleben bliebe.

    Also bleibt nur die Möglichkeit, mit Worten, welche die Schlagader dieses Völkchens durchtrennen, nach aussen zu dringen.

    Unter diesem Aspekt ist das obige ”Posting” hinzunehmen.

  10. Anke Sturm says:

    Wenn ich auf dem jesuitischen Täterblog “Unheilige Macht” die Berichte von Opfern lese, so fällt mir auf, daß diese Ihre Peiniger noch immer voller Achtung mit “Pater” ansprechen. Welche Wirkung müssen die Verbrecher auf ihre Opfer mit ihren Taten ausgeübt haben, welche Abhängigkeiten, bis über den Tod hinaus, müssen erzeugt worden sein, wenn das Opfer den Täter noch so nennt, wie er genannt werden will? Wenn noch heute, Jahre und Jahrzehnte nach den Taten, diese offensichtlich Achtung, die natürlich nichts anderes als Abhängigkeit ist, sprachlich weiter vorherrscht.

    Und dies im Angesicht der ungeheuren Arroganz, mit die Erben der Täter ihre zur Schau getragene Unschuld, ihre Chuzpé, ihre Scheinheiligkeit vor sich herschieben. Immer darauf achtend, daß der Schein des Heiligen auch weithin sichtbar ist.

    Es muss an diesem heiligen Schein liegen, der es diesen Leuten möglich macht, trotz ihres angerichteten Unheils weiter durch die Lande zu ziehen, als sei nichts geschehen.

    Bücher werden über das Verbrochene geschrieben. Am Verkauf wird partizipiert. Die Krone wird sein, wenn die Nachfolger der Täter in Lesungen ihres Pamphlets schwelgen, dabei dass sich vor schierem Vergnügen herannahende Ergebnis der Onanie nur schwerlich unterdrückend, während die Opfer im Publikum sitzen.

    Applaus spendend.

    Spenden müssen. Zum x-ten Male vergewaltigt werden. Wieder und wieder. Nur diesmal wesentlich subtiler. Und folgenreicher. Und vielleicht, nur vielleicht, erkennend, welche teuflische Fratze sich hinter alledem verbirgt.

    Und am Ende sich mit traurigen Postings auf dem Täterblog entblössen müssen.

  11. Je Suit says:

    An der Spitze der Klitoris einer Frau befinden sich bis zu eintausend (1.000) Nerven. Das ist in dieser Konzentration im Körper eines Menschen einmalig.

    Vieles, nein alles, spricht dafür, daß die Jesuiten das nicht wissen. Sonst hätten sie sich nicht (nur) über kleine Jungs hergemacht. Sie wären dann zum Beispiel nach Eritrea gereist und hätten zusammen mit den Stammesältesten den Mädchen die Klitoris ‘rausgeschnitten. Bei vollem Bewusstsein. Mit rostigen Schneidematerial.

    Das macht doch vielleicht genau so viel Spaß, wie kleine männliche Kinderseelen zu zertreten.

  12. Elmar Kanschik says:

    Mit Erstaunen und tiefem inneren Zorn lese ich den Artikel von Christian Eschweiler. Da ich von 1986 bis 1988 Referendar am Aloisiuskolleg war, habe ich sowohl Herrn Eschweiler als auch Herrn Stüper persönlich kennengelernt. Zu dieser Zeit war Herr Eschweiler für mich ein Vorbild im Hinblick auf Einsatz, Interesse sowie menschlicher Wärme. Pater Stüper war Chef, bei dessen Auftauchen im Schulgebäude alles “aufsprang”. Ich selbst – als Lehrerazubi – hatte großen Respekt vor Pater Stüper. Im Grundsatz war das Ako für mich in diesen Jahren eine Vorzeigeschule, an der ich gerne unterrichtete und mich sehr wohl fühlte. Im Rückblick kann und muss- und dies muss auch Herr Eschweiler erkennen – diese schöne Fassade bröckeln. Ich halte es für absurd einen Menschen (Pater Stüper) im o.g. Text so zu charakterisieren, dass er sich ” sein Leben lang im Dienst eines Höheren wähnte “. Sexueller Missbrauch von Kindern ist nichts “Höheres” sondern ein verwerfliches Übel ohne Wenn und Aber. Mögen die Verdienste von Pater Stüper in anderen Bereichen auch noch so groß sein, er wird daran gemessen, was er den ihm anvertrauten Kindern und Jugendlichen angetan hat . Nur das zählt.

  13. Thomas Stegmann says:

    Zufällig stieß ich auf diese Website – und als Ako-Schüler von 1957 bis 1966 mit Herrn Christian Eschweiler als Klassenlehrer in der Oberstufe bin ich hochgradig verwundert über diesen “Nachruf” auf P. Stüper, den Herr Eschweiler vor 1 Jahr verfasst hat: Hat Herr Eschweiler denn gar nicht wahrgenommen, was alles an furchtbaren Verhaltensweisen von P. Stüper gegenüber vielen Schülern bekannt geworden ist? Das ist ja noch im Nachhinein eine peinliche und das Problem des Missbrauchs am Ako unzulässig verharmlosende Erinnerung! Und dazu noch voll beladen mit Banalitäten und unwichtigen Anekdoten. Vollkommen unverständlich ist dann auch der Schluß von Herrn Eschweilers Betrachtungen: “… der Stella von Pater Stüper, der sich sein Leben lang im Dienst eines Höheren wähnte und dadurch die Devise der Societas Jesu vorbehaltlos beherzigte: OMNIA AD MAIOREM DEI GLORIAM.” – und das als abschliessende Wertung eines Menschen, der sich Verbrechen gegenüber Kindern hat zuschulde kommen lassen? Das ist absolut nicht akzeptabel – und ich kann mich nur über Herrn Eschweiler wundern.

    Im Übrigen: In der gesamten Mißbrauchs-Debatte der vergangenen Jahre zum Ako, einschliesslich der vorgelegten Berichte von Zinsmeister (2/2011) und Bintig (3/2013), fällt auf, dass offensichtlich niemand von der Societas Jesu und vom Ako bereit und willens ist, klare und eindeutige Transparenz herzustellen; anders ist nicht zu erklären, dass im Bericht Zinsmeister die TÄTER mit anonymisierten verdeckten Namen aufgeführt werden (Pater “Ludwig”, P. “Gregor”, P. “Julius”, etc.) und im Bericht Bintig wesentliche Passagen und Namen geschwärzt sind. Dabei weiß jeder Betroffene (und auch ich), dass sich unter dem Namen P. “Julius” der langjährige ND-Leiter (auch ich war im ND), nämlich P. W. Wallmeyer, auch “Qually” genannt, verbirgt. Auch die Namen P. Brüning, P. Stüper etc. sind bekannt – warum bekennt sich das Ako nicht zu den realen, handelnden Personen der damaligen Zeit? Dies wäre im Sinne einer wirklichen Transparenz und Klärung der Mißbrauchsgeschichte am Ako dringend erfoderlich – ist aber bis heute nicht erfolgt – schade!

  14. Sandim G. Triebe says:

    Transparenz in Bad Godesberg? Die satanische Wolke über dem Städtchen ist wohl so dunkel dass Gott da nicht mehr durchgucken kann.
    Die Stadt Bonn hat bis heute immer noch nichts unternommen um den lange bekannten illegalen Leichenentsorgungsplatz auf dem Godesberger Akogelände aufzulösen, die menschlichen Überreste endlich gesetzeskonform auf legale Friedhöfe zu überführen, und die Verantwortlichen dank geltendem Recht vor Gericht zu stellen.
    Öffentliches Interesse und Belange Dritter stehen dem illegalen Verscharrungsareal entgegen das deshalb keine eine Genehmigung bekommen kann. Warum handelt die Staatsanwaltschaft, die zum Handeln gesetzlich verpflichtet ist, nicht?
    Versuche mal einer, in Bad Godesberg auch nur die Urne von seiner verstorbenen Frau nach deren letztem Willen im eigenen Garten zu begraben. Der wird die volle Härte des Gesetzbuches sowie gesellschaftliche Ächtung durch die scheinheilig-empörten Bigotten erfahren.
    Ja, auch in Bad Godesberg gibt es ein gültiges rechtsstaatliches Gesetzbuch für die meisten Bürger.
    Welches allerdings für eine im Schatten wirkende exklusive Interessengemeinschaft gieriger Godesberger nur eine unverbindliche Handlungsempfehlung darstellt. Diese Figuren rekrutieren sich aus dem Lager der ganz besonders bürgerlichen Oberschicht deren Kontostand mit dem Level ihrer antidemokratischen lokalen Macht korreliert.
    Immer schön Gras über alles wachsen lassen. Das servile Verkündigungsorgan Lokalpresse ist dabei ein wachsweiches Werkzeug in deren Händen. Nach kurzer pseudo-kritischer Berichterstattung lässt man die Themen wieder leise einschlafen.
    Hauptsache es bleibt alles nach außen schön ruhig, sauber, fromm und sittsam.
    Da sei Gott vor.

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